Da Parkinson keine Lähmung im eigentlichen Sinn ist, wie sie zum Beispiel nach einem Schlaganfall vorkommen kann, und zudem das Zittern nicht immer vorkommt, ist der Begriff Schüttelähmung nicht mehr gebräuchlich.
Parkinson-Krankheit, Morbus Parkinson oder idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) — alle Begriffe meinen dieselbe Erkrankung, die wir kurz als Parkinson bezeichnen. Idiopathisch… diesem Begriff begegnen wir nicht nur hier, und er meint ohne erkennbare Ursachen auftretend.
Parkinson wird diagnostiziert, wenn folgende Kriterien vorliegen:
- Mindestens zwei dieser Krankheitssymptome sind vorhanden:
- Muskelsteifheit (Rigor)
- Verlangsamung oder Verarmung der Bewegungen, Bewegungsunfähigkeit (Brady-, Hypo-, Akinese)
- Ruhezittern (Ruhetremor)
- Die Krankheitsursache ist unbekannt
- Die Symptome bessern sich bei einer Behandlung mit L-Dopa.
- Es gibt keine untypischen Symptome.
So spricht eine frühzeitige Störung der Gleichgewichtsreflexe gegen Parkinson.
Kriterien, die das Nervensystem betreffen, sind:
- Untergang der Dopamin produzierenden Nervenzellen in der Schwarzen Substanz des Gehirns.
- Auftreten von Einschlüssen in den erkrankten Nervenzellen (Lewy-Körperchen).
Die Bedeutung dieser Körperchen ist weitgehend unklar, aber ihre Zusammensetzung kennt man inzwischen: Sie bestehen aus Neurofilament, Ubiquitin und dem obengenannten Alpha-Synuclein; das unterfüttert die neurogenetischen Versuche, Parkinson zu erklären. Lewy-Körperchen kommen nicht nur in der Schwarzen Substanz, sondern auch in anderen Hirnarealen vor; daher die Vermutung, dass auch andere Botenstoffe an der Entstehung beteiligt sind.
Neben den Transmittern Dopamin, Glutamat und Acetylcholin, bisher immer die Hauptverdächtigen, sind wohl auch Noradrenalin und Serotonin beteiligt. Ein Noradrenalinmangel in bestimmten Hirnregionen löst die Blockierung bzw. das „Einfrieren“ von Bewegungen aus. - Aktuell werden noch weitere Schädigungsmechanismen dopaminproduzierender Zellen diskutiert, vor allem der sogenannte programmierte Zelltod (Apoptose). Ein zelluläres Todessignal löst durch chemische Vorgänge das Absterben der Zelle aus. Die komplexen Vorgänge bei der Schädigung von Zellen untermauern die Vorstellung von schädigenden Sauerstoffverbindungen (vgl. oxidativer Stress) und die Rolle von Entzündungen.
Neben dem idiopathischen Parkinson-Syndrom gibt es noch symptomatische oder sekundäre Parkinson-Syndrome, bei denen eindeutige Auslöser (wie z.B. giftige Substanzen oder eine Hirnverletzung) Parkinson-Störungen verursachen.
Als Pseudo-Parkinson-Symptome bezeichnet man Krankheiten, die Parkinson-ähnliche Störungen verursachen, ohne dass im Gehirn ein Mangel an Dopamin vorliegt (daher das vorangestellte Pseudo).
Multisystemkrankheiten
Atypische Parkinson-Krankheiten entstehen im Falle von sogenannten Multisystem-Erkrankungen. Hier sind, der Name deutet es an, mehrere Systeme des Gehirns erkrankt. Dementsprechend sind die Störungen vielfältiger. Diese Erkrankungen, auch Parkinson-Plus genannt, bessern sich kaum, wenn sie mit L-Dopa behandelt werden.
Beim sogenannten psychogenen Parkinson-Syndrom können durch eine seelische Störung ohne körperliche Veränderungen die Symptome einer Parkinson-Krankheit nachgeahmt werden.
Der Beginn der Erkrankung — Oft ist es die Schrift, die Hinweise gibt
Dopamin ist als Botenstoff an komplexen Bewegungsabläufen beteiligt.
Oft werden als Beispiel das Einfädeln von Fäden in ein Nadelöhr oder das Schreiben herangezogen. Während das Einfädeln des Fadens auch Menschen, die nicht an Parkinson erkrankt sind, Schwierigkeiten bereiten kann, ist die Fahigkeit zu schreiben völlig selbstverständlich für uns. Bei Parkinson wird die Schrift kleiner und zittriger, das Schreiben als solches fällt zunehmend schwer.
Die Anfangssymptome sind häufig diffus und können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Deshalb wird Parkinson oft erst spät diagnostiziert. Je früher aber die Diagnose, desto besser kann auf den Verlauf eingewirkt werden. Heilbar ist Parkinson nicht, aber der Verlauf und die Symptome können abgemildert werden.
Eine Ergänzung: Die Hypo- bzw. Akinese macht sich auch im Gesicht bemerkbar: Die Mimik ist starr (Maskengesicht). Zusätzlich wirkt das Gesicht oft wie frisch eingecremt (Salbengesicht). Dies sowie der vermehrte Speichelfluss und das übermäßige Schwitzen sind auf eine Störung im vegetativen System zurückzuführen: Die Drüsen sind überaktiv. Das Salbengesicht ist also eine Störung in der…???? (Mal sehen, wer’s zuerst postet!)
Und noch eine Ergänzung: Begriffsdefinition Tremor: Ein unwillkürliches, oft symmetrisches Zittern. Sehr rhythmisch und meist nur die Extremitäten betreffend; kann aber auch Kopf und Körper betreffen. Bei Parkinson ist er meist grobschlägig, relativ langsam und fällt v.a. an den Händen auf.
Und last, but not least: Rigor: Hier ist die Spannung (der Tonus) des Muskels in Ruhe verändert. Die Ursache liegt im extrapyramidalen System (was ja letztlich die Grundstörung bei Parkinson ist). Der Widerstand bei Bewegung ist — im Gegensatz zu Spastizität — während des ganzen Bewegungsvorgangs gleich. (Bei der Spastizität ist der Widerstand v.a. zu Beginn der passiven Bewegung erhöht und lässt dann jäh nach. Wird vorsichtig bewegt, kann die Spastik sogar sehr gering ausfallen.) Der Widerstand beim Rigor hingegen ist unabhängig von der Intensität der Bewegung. Bei Überlagerung durch einen Tremor kann das Zahnradphänomen auftreten: Hier lässt der Widerstand bei der passiven Bewegung rhythmisch nach.