Häufigkeit
Je nachdem, wo man sich umsieht, variieren die Zahlen stark, aber von 100.000 Menschen sind zwischen knapp 20 und 190 betroffen. Im Kern Europas und in Nordamerika kommen wir auf 160 Parkinson-Erkrankte — das ist ziemlich viel. Die Dunkelziffer ist allerdings sehr hoch, weil oft keine entsprechende Diagnose gestellt oder der Patient nicht erfasst wurde. Schätzungsweise gibt es bis zu 400.000 Erkrankte.
Wer ist betroffen?
Männer und Frauen etwa gleich oft. Um die 20 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr gibt es bei uns, und die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter an (1% in der Fraktion der über 60 Jahre alten, 3% bei den über 80jährigen).
Zunehmend sind aber auch Jüngere betroffen, 8-10% der Neuerkrankungen treten bei den unter 40 Jahre alten auf, 30% bei Menschen unter 50. Es gibt selten noch jüngere Betroffene, der Altersdurchschnitt liegt aber bei Mitte 60. Es gab auch schon 12jährige!
Zur Frage der Erblichkeit und den Ursachen von Parkinson
Etwa 80% leiden an der idiopathischen Form, also der ohne erkennbare Ursachen. Ist Parkinson erblich?
Schau’mer mal rein…
Ursachen
Freie Radikale (Oxidativer Stress) scheinen eine Rolle zu spielen.
Durch Giftstoffe wie zum Beispiel MPTP, aber auch bei normalen Stoffwechselvorgängen, kann es im Körper zur Bildung zellschädigender chemischer Verbindungen kommen, die als „freie Radikale“ bezeichnet werden und die dopaminproduzierende Zellen schädigen können. Schon beim Abbau von Dopamin kann als Nebenprodukt Wasserstoffperoxid entstehen, das zellschädigend wirkt. Normalerweise wird dieser Stoff aber rasch mit Hilfe des Enzyms Gluthathion-Peroxidase zu harmlosem Wasser abgebaut. Ein zweiter Abbauweg lässt Hydroxyl-Ionen und stark zellschädigende freie Hydroxylradikale entstehen. Wie alles im Körper, ist Dopamin nicht unbegrenzt haltbar und muss zwischenzeitlich abgebaut und ersetzt werden.
Der Name “oxidativer Stress” rührt daher, dass bestimmte Stoffwechselvorgänge von einer Freisetzung von zellschädigenden Sauerstoffverbindungen begleitet sind.
Hinzu kommen
- eine altersbedingte eingeschränkte Entgiftungsfähigkeit der Zellen,
- Veränderungen in den Mitochondrien, den Energiezentren der (Nerven-)Zellen (dort entsteht aus Glucose und Sauerstoff unter Zuhilfename von bestimmten Enzymen ATP, Energieträger des Körpers; daneben wird übrigens Wärme, Wasser und CO2 produziert),
- zahlreiche Umweltfaktoren (Kohlenmonoxid, Mangan, Zyanide, Schwermetalle wie Blei oder bestimmte Insektizide wie Paraquat und Diquat)
- und genetische Faktoren, die zu einer reduzierten Entgiftung der Hirn-Nervenzellen führen. Genetisch meint hier nicht zwangsläufig vererbt; bei Vorgängen, an denen das Erbgut im Zellkern beteiligt ist (und wann ist das nicht der Fall?), kann es zu Mutationen am Erbgut kommen. Die Zahl solcher Mutationen erhöht sich mit steigendem Lebensalter.
Diese Mutationen bestimmter Gene (z.B. α-Synuclein-Gen) führen zu einer Veränderung der Aminosäurensequenz, die in den Genen festgelegt ist, und verursachen die charakteristischen Stoffwechselstörungen, die zu der Zelldegeneration in der schwarzen Substanz und in anderen Strukturen führen. Melaninhaltige Zellen sind besonders anfällig, und die Nervenzellen der Scharzen Substanz sind so namensgebend dunkel, weil sie intrazellulär viel Eisen und Melanin enthalten.
(Zur Erinnerung: Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine; die Abfolge der Aminosäuren ist charakteristisch für jedes Protein und in den Genen codiert).
Zur Frage der Erblichkeit
Die erbliche Form der Krankheit zeigt einen typischen Erbgang (autosomal dominant oder rezessiv), das Krankheits-Eintrittsalter ist jünger als beim idiopathischen Parkinson, die Krankheit zeigt andere, für das idiopathischen Parkinson-Syndrom nicht typische Erscheinungen. Etwas mehr als 10 gestörte Genstellen (Loci, Mz. von Locus) konnten bislang identifiziert werden.
Die eigentliche, idiopathische Form von Parkinson wird (nach heutigem Kenntnisstand) nicht vererbt!
Vorsorge
Da man die Krankheit heute noch immer nicht aufhalten kann, machen Vorsorge-Tests (noch) keinen Sinn. Die ersten Symptome der Krankheit treten erst dann auf, wenn ca. 60 % der Dopamin-Produktion in der Schwarzen Substanz verloren gegangen ist. Dieser Vorgang kann auch 5-20 Jahre dauern, es gibt also eine lange symptomfreie (präklinische) Phase. Tests verunsichern nur; erst bei entsprechenden Therapien sind sie sinnvoll.
[...] Schädigung von Zellen untermauern die Vorstellung von schädigenden Sauerstoffverbindungen (vgl. oxidativer Stress) und die Rolle von [...]