Echinokokkuszyste
Als Zyste wird ein mit Flüssigkeit gefüllter Raum bezeichnet, der von innen durch eine Gewebeschicht (Epithel) ausgekleidet wird. Man unterscheidet echte Zysten von Pseudozysten. Pseudozysten fehlt die Epithelauskleidung im Innern.
Echinokokkuszysten sind Pseudozysten und entstehen durch Infektion der Leber mit dem Hunde- oder Fuchsbandwurm (Echinokokkus granulosus oder multilocularis).
Hauptwirt des Hundebandwurmes sind – ach! – Hunde. Bei uns selten, wird der Parasit aber häufig in den Mittelmeerländern, Afrika und Südamerika angetroffen.
Die vom Hundebandwurm gebildeten Leberzysten treten solitär, also einzeln (selten auch gehäuft) auf und können bis zu 30 cm gross werden. Der Befall wird auch zystische Echinokokkose oder Echinokokkenblase genannt. Der Mensch ist dabei Zwischenwirt. Diese Erkrankung befällt vor allem Leber (50-70 %), Lunge (15-30 %) selten auch Milz, Nieren, Gehirn und andere Organe, wobei i.d.R. immer nur ein Organ betroffen ist. Die Zyste wächst expansiv und verdrängt das umliegende Gewebe.
Hauptwirt des Fuchsbandwurmes sind Rotfüchse, aber auch Mäuse, Katzen und Hunde. Dieser Erreger ist bei uns häufiger als der Hundebandwurm und findet sich v.a.in Süddeutschland, der Schwäbischen Alp, in der Schweiz (Jura) und in Tirol. Die gebildeten Zysten sind meist klein, treten jedoch gehäuft auf und breiten sich in der ganzen Leber aus.
Symptome
Echinokokkus cysticus: Kleinere Zysten bleiben meist unerkannt, weil sie keine Beschwerden bereiten . Bei Grössenzunahme kommt es zu diffusen Schmerzen und Druckgefühl im Oberbauch. Manchmal kann im Bereich der Leber eine Schwellung ertastet werden. Symptomatik erst spät durch Gallenwegskompression, Ruptur oder Infektion.
Echinokokkus multilocularis: Hepatomegalie, Druck im rechten Oberbauch.
Diagnostik
Nach Sonographie wird durch CT die genaue Lage, Größe und Anzahl der Cysten bestimmt. Im Blut sind spezifische Antigene zu finden.
Spontanverlauf (ohne OP)
Ungünstig, nur vereinzelt Spontanheilungen. Komplikation durch Organverdrängung, Ruptur der Zyste und Leberausfall. Platzt die Zyste, kommt es zu akutem Abdomen mit Anspannung der Bauchdecke, Übelkeit und Erbrechen. Bei zusätzlicher Besiedlung der Zyste mit Bakterien kommt es zur Einteransammlung im Gewebe (Abszess). Dies zeigt sich in plötzlichem hohen Fieber.
Drückt die Zyste auf den Gallengang, kommt es zum Ikterus.
Therapie: OP
Resektion (Methode der ersten Wahl) ohne vorherige Probepunktion (Vermeidung einer peritonealen Streuung).
Um eine Verschleppung des Echinococcus cysticus in den Bauchraum zu vermeiden, wird zunächst die Leber freigelegt, dann die Zyste punktiert und eine hyperosmolare Lösung (NaCl 20%…) injiziert, um die Finnen abzutöten. Anschließend wird der Zysteninhalt abpunktiert und erst danach die Zyste entfernt.
Therapie bei Echinococcus multicularis-Befall: primär chirurgisch. Meist Leber-Teilresektion erforderlich wg. des infiltrativen Wachstums. Bei Befall der gesamten Leber ohne weiteren Organbefall: Lebertransplantation.
Alternativtherapie
Cystenpunktion, Ablassen des Inhaltes, Installation einer Mischung aus 15%igem NaCl, konzentriertem Äthanol und Äthoxysklerol 1%.
Prognose
Wegen möglicher schwerwiegender Komplikationen sollten Echinokokkuszysten operativ aus der Leber entfernt werden. In Kombination dazu beginnt man schon präoperativ mit der Verabreichung eines antiparasitären Medikaments (Albendazol oder Mebendazol), welches nach vollständiger Entfernung der Zysten für weitere zwei Jahre eingenommen werden sollte. Gelingt die Entfernung der Zysten nicht komplett, so empfiehlt sich eine lebenslängliche Medikamenteneinnahme.
Wenn mit der Operation die vollständige Entfernung der Zysten gelingt, ohne dass die Krankheitserreger in die Bauchhöhle gestreut werden, ist die Prognose der Erkrankung sehr gut. Wenn die Zysten nicht vollständig entfernt werden können, ist die Prognose allerdings nur dann relativ gut, wenn die antiparasitären Medikamente konsequent eingenommen werden.
Der Fuchsbandwurmbefall schwächt die Leber oft massiv und kann zu einer Leberinsuffizienz führen. Daher wird oft, wenn der Zustand des Betroffenen und die Verfügbarkeit eines Spenderorganes es zulassen, eine Lebertransplantation (LTX) durchgeführt.
Komplikationen
Bei der OP kann es zur Zystenruptur und damit Verteilung der Finnen im Bauchraum kommen. Nachfolgend haben wir eine Peritonitis.
Und eines noch zur Echinikokkuszyste
Warum die hypertonen (hyperosmolaren) Lösungen? Sie haben einen hohen Anteil osmotisch wirksamer Bestandteile, die den Wasserhaushalt der Zellen, mit denen sie in Berührung kommen, so durcheinanderbringen, dass sie absterben.
Nicht parasitäre Zysten
Aufgrund angeborenen (kongenitaler) Anlagen oder nach Leberparenchymnekrosen durch Trauma, Infektion u.ä. (Abräumreaktion).
Angeborene Zysten: Seröser Inhalt in dünnwandiger Blase, Endothelauskleidung meist einschichtig. Bei Zysten nach Abräumreaktion keine endotheliale Auskleidung.
Therapie: Exsision bei großen Zysten. Bei Infektion: Vorgehen wie bei eitrigen (pyogenen) Abszessen.