Fürwahr, ein ganz besonderer Saft! Über unseren Kreislauf gelangt das Blut in jeden erdenklichen Winkel unseres Körpers, und sei er auch noch so abgelegen. Das arterielle System bringt es überall hin, an den Kapillaren werden der mitgeführte Sauerstoff (O2) und die Nährstoffe aus der verdauten Nahrung an das Gewebe und die Zellen abgegeben, und die Abfallstoffe, also Stoffwechselendprodukte und Kohlendioxid (CO2), werden über das venöse System abtransportiert.
Aber es kann noch mehr: Es bringt Botenstoffe und Abwehrzellen dorthin, wo sie gebraucht werden.
Da unsere Zellen sich nicht selbst die Nahrung beschaffen und die Abfallstoffe entsorgen können, brauchen sie zu diesem Zweck das Blut. Somit tägt Blut zur Versorgung und Erhaltung der Zellen bei.
Zusammensetzung des Blutes
Die 4 bis 6 Liter Blut setzen sich aus flüssigen (Blutplasma) und festen Bestandteilen (Blutzellen) zusammen.
Bei Blutentnahmen werden Röhrchen benutzt, die an eine Kanüle (Nadel) angeschlossen werden. Mal befindet sich nichts in diesen Röhrchen (Serum-Röhrchen), weil die Trennung von flüssigen und festen Bestandteilen gewünscht ist. Die unten abgesetzten Zellen sind dann geronnen, das Plasma hat sich oben abgesetzt. Will man aber die Gerinnung testen, wäre es nicht hilfreich, wenn sie bereits im Röhrchen auf dem Weg zum Labor stattgefunden hätte; also befindet sich im Röhrchen ein Gerinnungshemmer (meist EDTA). Nach der Trennung von der Kanüle wird das Blut im Röhrchen ein paar mal vorichtig geschwenkt, damit es sich mit dem Gerinnungshemmer gut vermischt. In diesem Fall ist das abgenommene Blut noch so, wie es im Körper kursiert: Plasma und Zellen haben sich nicht getrennt.
Blutplasma
Die strohgelbe Flüssigkeit, die etwas mehr als die Hälfte des Blutes ausmacht (genauer: 55-60%), besteht aus Wasser, Salzen (Elektrolyten), gelösten Nährstoffen aus dem Verdauungstrakt und zahlreichen Proteinen. Dazu kommen noch Stoffe wie Glukose, Vitamine, Hormone und Stoffwechselendprodukte wie Harnstoff, Kreatinin usw.
Die wichtigsten Proteine sind Fibrinogen (beteiligt an der Blutgerinnung), Albumin (verleiht dem Blut seine Dickflüssigkeit (= Viskosität) und diverse Antikörper für die Immunabwehr (die sog. Globuline). Auf die Letztgenannten werfen wir einen Blick bei der Abwehr.
Blutzellen
Erythrozyten
Die roten Blutzellen, auch rote Blutkörperchen genannt, enthalten das Protein Hämoglobin. Hämoglobin bindet an den Kapillaren der Lunge Sauerstoff und bringt diesen zu den Kapillaren in den Geweben, wo er abgegeben wird. Nach der Entladung wird Kohlendioxid, das bei der Zellatmung entsteht, gebunden, zur Lunge transportiert und dort über die Kapillaren an die Luft, die wir ausatmen, abgegeben.
Wie ist es möglich, dass ein Transporter mal Sauerstoff, mal Kohlendioxid auflädt? Wieso wird er mal gebunden, dann aber an anderer Stelle wieder abgegeben?
Zur Beantwortung dieser Fragen machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt des Drucks. Und zwar nicht hier, sondern in einem gesonderten Beitrag.
Rote Blutkörperchen entstehen im Knochenmark, sind kernlos, sehen von beiden Seiten wie ein Suppenteller aus (der Fachmann nennt diese flache Scheibenform mit einer Vertiefung in der Mitte bikonkav) und leben etwa 120 Tage. In einem Tropfen Blut finden wir Millionen davon!
Warum sind sie kernlos und so seltsam geformt? Auf diese Weise passen sie durch die feinsten Kapillaren. Sie sind elastisch und extrem verformbar; sie können sogar die Form einer langgestreckten Wurst annehmen.
Diese Verformbarkeit wird ihnen am Ende ihrer 120 Tage zum Verhängnis: Alte Erys werden steif und verformen sich kaum noch. Sobald sie die Kapillaren nicht mehr passieren können, werden sie aussortiert und in der Leber abgebaut. Das Hämoglobin besteht aus einem Protein mit Eisen. Eisen ist ein Spurenelement und für den Körper kostbar. (Wie alle Spurenelemente müssen wir es mit der Nahrung aufnehmen und im Dünndarm resorbieren.)
Da unser Körper eine große Recyclinganlage ist, wird fast nichts verschwendet: Eisen wird nach der Zerlegung eines überalteten roten Blutkörperchens aufgehoben für den Aufbau neuer Erys. (Dass es dabei verschiedene Formen des Speicherns im Körper gibt, soll uns hier nicht interessieren. Hauptsache, es klappt!)
Der Rest des abgebauten Erythrozyten wird als Bilirubin und Urobilinogen über den Darm und den Urin ausgeschieden. Und sorgt do für die braune bzw. gelbe Farbe.)
Ach, apropos Eisen: Frauen, die ihre Tage haben, verlieren durch die Abstoßung der funktionellen Schicht der Gebärmutter (was für ein schwachsinniges Wort! Nennen wir sie lieber Uterus) eine Menge roter Blutkörperchen, die nicht im Körper vorher zerlegt und recycelt worden sind. Die roten Blutkörperchen werden einfach aus dem Leben gerissen, obwohl sie noch lange nicht überaltet sind. So kann es zu einem Eisenmangel kommen, und die Betroffenen müssen über die Nahrung hinaus Eisen in Form von Tabletten aufnehmen, um den Verlust auszugleichen. Die Speicherkapazität für Eisen ist nämlich nur begrenzt, und ein so massiver Blutverlust ist nicht einfach durch Zugriff auf den Speicher aufzufangen. Eisenmangel kann natürlich auch durch jeden anderen großen Blutverlust hervorgerufen werden.
Weiße Blutzellen (Leukozyten)
Wir rechnen die Leukos, wie sie auch kurz genannt werden, zu den Blutzellen, weil sie ebenfalls oft im Knochenmark entstehen und im Blut kursieren. Aber mit der Funktion des Blutes, dem Transport von Gasen und N�hrstoffen sowie der Blutgerinnung, haben sie nichts zu tun. Vielmehr dienen sie der Infektionsbek�mpfung und spielen eine wichtige Rolle bei Entz�ndungsprozessen.
Es gibt verschiedene Leukozyten mit unterschiedlichen Funktionen: Einige umschlie�en Fremdstoffe, andere produzieren Antik�rper. Nur etwa 10% aller Leukos befinden sich im Blut; 90% befinden sich im Gewebe, wo sie gebraucht werden. Auch in lymphytischem Gewebe finden wir viele. Unterschieden werden ganz generell Lymphozyten, Granulozyten und Makrophagen.
Wir betrachten die Leukos detailliert an anderer Stelle.
Weiße Blutkörperchen sind größer als die roten, enthalten einen Kern und können sich durch die Kapillarwände zwängen, um gezielt an den Infektionsherd zu gelangen.
Blutplättchen (Thrombozyten)
Streng genommen sind Thrombozyten keine kompletten Zellen, sondern kleine Zellbruchstücke, deren Stammzelle ebenfalls im Knochenmark gebildet wird. Ihre Aufgabe ist die Reparatur geschädigter Blutgefäße und die Verhinderung von Blutungen. Im Fall einer Verletzung verformen sie sich und kleben zusammen: Der sog. Thrombozytenpfropf bildet sich. Mehr zur Blutgerinnung folgt.
Thrombozyten enthalten zudem kleine Granula (= Körnchen) mit wichtigen Enzymen für die Blutgerinnung und Gerinnungsfaktoren.
Blutzellbildung (Haematopoese)
Die Zellen des Blutes entstehen im Knochenmark. Ausgehend von einer gemeinsamen Stammzelle (der sog. pluripotenten, also wörtlich übersetzt: viel könnenden Stammzelle) bilden sich je nach Bedarf und Anlass die verschiedenen Zellarten aus.
Erythropoetin aus der Niere etwa regt die Bildung neuer, zusätzlicher Erythrozyten an. Thrombopoetin hingegen — der Name deutet es bereits an — führt zur Bildung neuer Thrombozyten.
Wichtig sind die “gemeinsame Mutter” ganz oben sowie die Zellen in der letzten Reihe. In unserem Blut kursieren fast ausschließlich ganz fertige Zellen. Es gibt aber Erkrankungen, bei denen vermehrt jugendliche (also noch nicht ganz fertige) Zellen im Blut herumschwirren, die wir aber an dieser Stelle nicht besprechen.
[...] Wir erinnern uns: Kapillaren sind, im Gegensatz zu den großen Gefäßen, mit Poren versehen, damit hier der Austausch von Stoffen und Gasen stattfinden kann. Genau hier verlässt bei dem Rückstau das Wasser die Blutbahn und tritt ins Gewebe über. (Und wir erinnern uns noch einmal: Natürlich wird kein reines Wasser eingelagert, sondern Blutplasma.) [...]