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AB0-System
Auf der Oberfläche der roten Blutzellen finden sich charakteristische Proteine, die das sog. Antigenmuster bilden und sogar innerhalb einer Spezies (also z.B. von Mensch zu Mensch) unterschiedlich sind. Dabei gehören zwei Individuen einer Spezies (also z.B. zwei Menschen) mit gleichen Proteinen auf den Erythrozyten zur gleichen Blutgruppe.
Die Hauptblutgruppen des Menschen sind: A, B, AB und 0 sowie das Rhesus-System. Daneben gibt es über 200 kleinere Gruppen. Bei der Mischung von Blut verschiedener Blutgruppen (bei Bluttransfusionen) kann es zu Verklumpungen der roten Blutkörperchen kommen. Daher ist die vorherige Bestimmung unerlässlich.
Wo Antigene sind, müssen auch Antikörper sein. Das Blutplasma enthält diese Antikörper (Eiweißmoleküle), die gegen Antigene fremder roter Blutkörperchen, jedoch nicht gegen die der eigenen gerichtet sind. Diese Antikörper werden auch Agglutinine genannt. So enthält Plasma von Menschen der Blutgruppe A Anti-B-Agglutinine, umgekehrt befinden sich im Plasma vom Blut der Gruppe B Anti-A-Agglutinine. Die Blutgruppe AB enthält weder das eine noch das andere, und in der Blutgruppe 0 sind Anti-AB-Agglutinine enthalten.
Beim Zusammentreffen einer wie Schlüssel und Schloss zueinander passenden Antigen-Antikörper-Kombinationen (z.B. treffen Erys der mit dem Antigenmuster der Blutgruppe A auf Antikörper im Serum, die gegen die Blutgruppe A gerichtet sind), so kommt es zur Verklumpung.
Rhesus
Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Rhesusfaktor, ebenfalls als Proteine auf der Erythrozytenoberfläche zu finden. Klinisch bedeutsam ist das Antigen D; liegt es vor, sprechen wir von “Rhesus positiv” (Rh +, D +), andernfalls von “Rhesus negativ” (Rh -, D-); dann fehlt das Antigen D. Die meisten Menschen sind Rhesus positiv (86%), der Rest Rhesus negativ.
Unterschied zwischen dem ABO- und dem Rhesus-System
Diese beiden Systeme unterscheiden sich nicht nur dem Namen nach:
Die Antikörper des AB0-Systems (so wird das System der Blutgruppen A, B, AB und 0 genannt) bilden sich im Verlauf des 1. Lebensjahres auch ohne jeden Kontakt zur falschen Blutgruppe und kursieren somit fast von Anfang an im Blut. Erfolgt dieser Kontakt mit einer falschen Blutgruppe, so führen sie zur Verklumpung (Agglutination) der Erythrozyten.
Die Antikörper des Rhesus-Systems hingegen werden erst nach dem Kontakt mit dem Antigen gebildet, sind also nicht von Haus aus mit an Bord. Außerdem verklumpen sie nicht die Erythrozyten, sondern führen zur Erythrozytenzerstörung (= Hämolyse).
Bluttransfusionen
In der Praxis, für Bluttransfusionen, werden beide Systeme (AB0, Rh) nicht getrennt betrachtet. Eine Blutkonserve ist immer nach dem Schema “Blutgruppe, Rhesusfaktor” beschriftet, also z.B. A Rh+ oder A pos. Hierbei ergeben sich andere Häufigkeiten, wie oft eine bestimmte Blutgruppen-Konstellation vorkommt.
Wird eine Blutkonserve angeliefert, so ist zwar Vertrauen gut, aber Kontrolle besser. Direkt vor jeder Infusion wird ein sog. Bedside-Test durchgeführt. Dieser heisst so, weil er an der Bettkante des Menschen, der die Infusion erhalten soll, durchgeführt wird. An jeder Blutkonserve hängen kleine Stückchen Schlauch, welche vom übrigen Blut durch Verschweissen des Schlauches getrennt wurde. Aus einem dieser abgetrennten Stücke wird mit einer Spritze Blut entnommen und dann in einer Karte, die mit Serum verschiedener Blutgruppen gefüllt ist, eingespritzt. Die Reaktion wird beobachtet. Bei unerwarteter Reaktion können wir von einem Fehler ausgehen: Entweder wurde die Blutgruppe des Patienten falsch bestimmt, wir haben den falschen Menschen vor uns oder die Beschriftung der Konserve ist nicht korrekt.
Blut in Konserven?
Eine Transfusion, also das Zuführen von (Voll-)Blut oder Blutbestandteilen, erfolgt in der Regel als intravenöse Infusion (kurz: i.v., in die Vene).
Stammen das Blut bzw. die Blutbestandteile von einem fremden Blutspender, handelt es sich um eine Fremdblutspende. Sind Blutspender und Blutempfänger die selbe Person, redet man von einer Eigenblutspende (Autotransfusion). Letztere zieht man heute vor großen, geplanten Operationen vor: Je nach Eingriff und erwartetem Blutverlust spendet man selbst vorab Blut.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Transfusion ist, dass das verabreichte Blut bzw. die Blutbestandteile frei von Infektionserregern ist und dass Immunreaktionen durch sorgfältiges Testen von Spender und Empfänger vermieden werden.
Vollbluttransfusionen werden heute nur noch selten durchgeführt. In der Regel wird heute das Blut in seine Komponenten aufgetrennt und komponentenweise transfundiert. Das hat zwei Vorteile: zum einen erhält der Patient nur die Blutbestandteile, die ihm fehlen, z. B. nur Erythrozyten (rote Blutzellen) bei Anämie (“Blutarmut”), nur Plasma bei Mangel von Plasmaproteinen, etc., und nicht noch “überflüssigerweise” noch andere Bestandteile des Blutes. Zweitens lassen sich die Blutkomponenten in getrennter Form wesentlich länger aufbewahren. Vollblut muss i. d. R. bei mindestens 4 °C aufbewahrt werden, da sonst die Erythrozyten und erst recht die Blutplättchen (Thrombozyten) Schaden erleiden. Bei dieser Temperatur verlieren viele Plasmaproteine (insbesondere die Gerinnungsfaktoren) innerhalb von Tagen ihre Wirksamkeit. Trennt man dagegen das Plasma ab, so kann man es einfrieren und monatelang lagern.
Es lassen sich prinzipiell alle Bestandteile gesondert übertragen:
- Erythrozytenkonzentrat: (kurz: EK): bei “Blutarmut” (Anämie).
- Thrombozytenkonzentrat: (kurz: TK): bei Mangel an Thrombozyten (Thrombozytopenie) und Blutungsneigung.
- Plasma (kurz: FFP= fresh frozen plasma, “Gefrierfrischplasma”): bei Mangel an Plasmaproteinen (z. B. nach großen Blutverlusten) oder bei Blutungsneigung.
Dies sind sicherlich die häufigsten.
Möglich sind aber auch Granulozyten-Konzentrate (bei Mangel an Granulozyten = Granulozytopenie und schweren Infektionen), Blutstammzell-Präparate (i. d. R. im Rahmen einer Stammzelltransplantation bei Blutkrebs), Gerinnungsfaktor-Konzentrate (bei Mangel an Gerinnungsfaktoren) und Immunglobuline (bei Antikörper-Mangel und Infektneigung).